Der Katholische Kirchenchor Hilders

(von Wolfgang Jakob aus der Chronik der Marktgemeinde Hilders zum 1100-jährigen Jubiläum)

Kirchenmusik hat in Hilders eine lange Tradition und wird schon seit Jahrhunderten mit nur kurzen Unterbrechungen gepflegt. Sie spielte seit dem 18. Jahrhundert, auf hohem Stand stehend, eine bedeutende Rolle, was durch überlieferte Zeugnisse belegbar ist.

Der Musikerchor – eine auf Hilders beschränkte Bezeichnung – pflegte neben weltlicher wohl überwiegend kirchliche Musik. Er bestand aus Orchestes und gemischtem Chor, wodurch es möglich war, regelmäßig an hohen Festtagen anspruchsvolle Messen großer Meister aufzuführen.

Der Leiter des Musikerchores trug den Titel Musikdirektor. Die herausragenden Persönlichkeiten des Hilderser Musiklebens war Oskar Seifert von 1880 bis zu seinem Tode 1937 und Franz Schönberg (1937-1948). Während der Hitlerzeit und des 2. Weltkrieges waren die musikalischen Tätigkeiten stark eingeschränkt und ruhten dann weitgehend.

Bald nach dem Krieg wurde die musikalische Arbeit unter Franz Schönberg wieder aufgenommen, was mit dem Chor im kirchenmusikalischen Bereich anscheinend besser gelang als mit dem Orchester. Der starke Rückgang der Streichmusik löste bald die enge Verbindung von Streichorchester und Kirchenmusik. Der Kirchenchor entwickelte sich zum selbständigen Verein. Dirigenten waren Wilhelm Etzel, Hauptlehrer Liebig und Monika Seifert. Die stimmliche Besetzung schwächelte jedoch öfter. Proben fanden mehr sporadische statt, Auftritte beschränkten sich meist auf die hohen kirchlichen Festtage. Erst ab 1977 erhielt der Kirchenchor eine bestimmte und feste Form und Gestalt. Unter der Dirigentin Monika Seifert und dem Vorsitz von Gerhard Jost, nahm der Chor einen kräftigen Aufschwung. Etliche Frauen und Männer konnten dazu gewonnen werden, so dass der Chor bald 40 Sängerinnen und Sänger hatte. Diese Stärke konnte in den folgenden Jahren gehalten, ja zeitweise übetroffen werden. Anspruchsvolle Chorsätze und Messen wurden einstudiert.

Nach dem Rücktritt von Monika Seifert 1987 sprang Josef Fürtsch als Chorleiter ein, bis mit Lothar Klüber ein neuer Dirigent gefunden wurde, der den Chor von Juni 1988 bis Oktober 2003 leitete. Für eine kürzere Spanne folgte als Dirigent Mathias Dickhut. Ab April 2005 übernahm wieder Lothar Klüber den Chor, den er bis heute führt.

Die Chorliteratur umfasst Liedgut, Chorsätze und Messen von der Renaissance bis zur Gegenwart. Ein besonderes musikalisches Kleinod besitzt die Katholische Kirchengemeinde Hilders in den „lamentationes“, die von einem Vorsänger und dem Chor an drei Tagen der Karwoche (Mittwoch, Karfreitag, Karsamstag) gesungen werden. Diese Lamentationen (Trauermetten oder Karmetten) – nur in der Hilderser Kirche zu hören – sind mit ihrem eigenen Ritus und ihrer eigenen musikalischen Prägung eine wertvolle kirchenmusikalische Besonderheit. Sie jährlich darzubieten und zu erhalten, ist für den Kirchenchor wichtige Aufgabe und Verpflichtung.

Feststehende jährliche Einsätze für den Chor sind: die drei Karmetten der Karwoche; Gründonnerstag und/oder Karfreitag; Ostern; Pfingsten; Rosenkranzfest; Adventskonzert; Weihnachten.

 

Chor 2018 Der Kirchenchor beim Adventskonzert 2018 in der Kirche "St. Bartholomäus" Hilders
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